31.05.2013, KVP Schweiz

Von Lukas Brühwiler-Frésey

Markante Sätze und Gedanken von Papst Franziskus aus politischer Sicht

(Die Gedanken und Zitate sind, wo nicht anders vermerkt, Berichten von Radio Vatikan und Armin Schwibach auf kath.net entnommen.)

Der grösste Feind der Glaubensschwäche ist die Angst. Daher: Immer mit dem Herrn! (26.05.2013).

Zwei Tugenden sind notwendig: Mut und Geduld. Ein Christ soll immer diese Haltung der Milde, der Demut haben.

Der Glaube gibt uns den Mut, gegen den Strom zu schwimmen (28.04.2013). Wir dürfen keine Angst haben, Christen zu sein und als Christen zu leben (07.04.2013). Keine „Wohnzimmerchristen“, bei denen alles so gut ist, die es aber nicht verstehen, mit der Verkündigung und dem apostolischen Eifer Kinder für die Kirche zu zeugen. Man kann nicht Teilzeit-Christ sein! (16.05.2013).

Kommunikation

Mit Freude, nicht mit sauren Gesichtern (10.05.2013). Der freudige Mensch sei ein sicherer Mensch, kein melancholischer Mensch (10.05.2013).

Das Evangelium verkünden, ohne dabei irgendjemand zu verurteilen. „Ein Christ muss Jesus Christus in einer Weise verkünden, dass dieser akzeptiert und empfangen und nicht abgelehnt wird.

Keiner ist Herr der Wahrheit. Die Wahrheit wird in einer Begegnung empfangen. (08.05.2013). Keine „Verteidigung mit Mauern“.

Viele Menschen sind Opfer des Götzendienstes, der Weltlichkeit, des postmodernen Denkens(08.05.2013).

Wenn wir vorangehen mit der Organisation, mit anderen Dingen, - auch schönen Dingen -, aber ohne Jesus, dann kommen wir nicht voran, das funktioniert nicht (26.05.2013).

Ihr habt alle auf dem Platz gerufen: `Franziskus, Franziskus, Papst Franziskus!`. Aber Jesus, wo war er? Ich hätte gewollt, dass ihr gerufen hättet: `Jesus, Jesus ist der Herr, und er ist wirklich mitten unter uns!` Von jetzt an nicht mehr: `Franziskus`, sondern `Jesus`!“ „Er ist wirklich der Leader“. Nicht der Papst ist der Herr der Kirche, sondern Jesus (26.05.2013).

Nicht so viel reden, sondern mit dem ganzen Leben sprechen: mit der Kohärenz des Lebens. Eine Kohärenz des Lebens, die bedeutete, das Christentum als Begegnung mit Jesus zu leben, der mich zu den anderen bringt, und nicht als ein gesellschaftliches Faktum. Gesellschaftlich …sind wir eben so, sind wir Christen, in uns verschlossen. Nein, das nicht! – Es ist das Zeugnis.

Die Vermittlung des Glaubens kann man nur mit dem Zeugnis bewerkstelligen, und das ist die Liebe. Nicht mit unseren Ideen, sondern mit dem Evangelium, das wir in unserer persönlichen Existenz leben.

Zeugnis der Bruderliebe, der Solidarität, des Teilens

Wir dürfen keine Christen mit steifem Kragen werden.

Diese Erfahrung muss uns dazu führen, die Religionsfreiheit für alle zu fördern, für alle!, (…) weil wir Kinder Gottes sind.

Verleumdung ist direkter Ausdruck des Satans. Der saubere Kampf ist ein Kampf zwischen guten Menschen, nicht ein schmutziger Kampf: die
Strasse der Verleumdung. Die Verleumdung entsteht aus Hass, nutzt die Lüge (15.04.2013).

Geschwätzigkeit und Tratsch sind destruktiv. Desinformation, Diffamierung und Verleumdungen sind Sünden (18.05.2013).

Das in sich verschlossene Gemeinschaftsleben zur beständigen Verteidigung der Wahrheit ist immer Verleumdung und Geschwätz ohne Zärtlichkeit, im alleinigen Wissen von der Pflicht (27.04.2013).

Eine neue Sprache, eine Sprache der Liebe, Überwindung von Trennungen und Abschottungen (22.05.2013), immer vom Gebet getragen (22.05.2013), ohne Suche nach Macht (21.05.2013); einer Kultur der Trennung, der Fragmentierung und des Konflikts entgegentreten.

Demut und Sanftmut „sind die Waffen, die wir haben, um uns vor dem Hass der Welt zu verteidigen“ (04.05.2013).

Armut

Die Armut für uns Christen ist nicht eine soziologische oder philosophische oder kulturelle Kategorie – nein, es ist eine theologale Kategorie, die Armut des Leibes Christi.

Armut darf keine Ideologie sein (14.05.2013).

Güter nicht mit den Armen teilen, ist Diebstahl. „Wir haben eine Kultur des Abfalls begonnen.“ (16.05.2013).

Geist der Welt

Doch es gibt ein Problem, das den Christen nicht gut tut: der Geist der Welt, die spirituelle Weltlichkeit (26.05.2013).

Wenn es im öffentlichen Leben, in der Politik keine Ethik gibt, dann ist alles möglich und man kann alles tun (26.05.2013).

Keine Faulheit, kleinliches Denken, Selbstzersetzung, Selbstüberhebung (24.05.2013), Selbstbeschäftigung (24.05.2013); kein Streben nach Wohlstand, Karriere, Kompromisse mit dem Zeitgeist (23.05.2013).

Wirtschaft

Geld darf nicht die Welt regieren. Pflicht, den Reichen daran zu erinnern, dass er dem Armen helfen muss, dass er ihn respektieren und fördern muss.

Rückkehr zur Ethik in der Finanz- und Wirtschaftswelt. Finanzspekulationen und eine absolute Autonomie der Märkte entziehen den Staaten ihr Recht auf Kontrolle des Geldverkehrs. Wir sind an einem Wendepunkt in der Geschichte. Es geht um ganzheitlichen Fortschritt. Die absolute Dichotomie zwischen der wirtschaftlichen und sozialen Sphäre muss sich irgendwann in einem gesunden Zusammenleben beider auflösen (16.05.2013).

Keine egoistische Profitgier, die Ursache für die wachsende Arbeitslosigkeit ist und Arbeitskräfte ausbeutet mit inhumanen Arbeitsbedingungen, in der die Person der Arbeit dient und nicht umgekehrt. Kein Menschhandel, keine Sklavenarbeit (01.05.2013).

Die Ausdrucks- und Lebensformen des Glaubens müssen nach aussen Wirkung zeigen, es muss eine Beziehung zwischen dem Glauben und den Kulturen der Völker geben (05.05.2013). Der Glaube muss sich auf die menschlichen Beziehungen, die Gesellschaft und die Institutionen auswirken durch ein gelebtes Zeugnis (07.04.2013).

Wir sind zu befreien von der Versuchung des gesunden Menschenverstandes (20.04.2013: „Satelliten-Christen“).

Wunden der Menschheit: Kriege, Gewalttaten, Wirtschaftskonflikte, welche die Schwächeren treffen; Gewinnsucht – und dabei kann doch keiner das Geld mitnehmen. Liebe zum Geld, Machtstreben, Korruption, Spaltungen, das sind Verbrechen gegen das menschliche Leben und gegen die Schöpfung. Der Mangel an Liebe und Achtung gegenüber Gott, gegenüber dem Nächsten und gegenüber der gesamten Schöpfung (25.03.2013).

Gegen die absolute Autonomie der Märkte, die egoistische Steuerhinterziehung, die Verschuldung und das Kreditwesen, welche die Länder von ihrer realen Wirtschaft und die Bürger von ihrer realen Kaufkraft entfernen. „Dies ist die Anbetung des antiken Goldenen Kalbs, die im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur der Wirtschaft ohne Gesicht und ohne wirklich menschliches Ziel ein neues und rücksichtsloses Bild gefunden hat.“ Es braucht eine ganzheitliche Entwicklung des Menschen im Dienst des Gemeinwohls (16.05.2013).

Wir müssen Solidarität neu denken, ein ganzes System überdenken, zwecks würdiger Arbeit, gegen Machtstreben, Gewinnsucht, Geldgier. Dazu sind ethische Strukturen nötig (25.05.2013).

Die Wohlstandskultur, die uns wenig mutig macht, die uns faul werden lässt, die auch zum Egoismus führt. Bitten wir um den Mut, uns dieser Wohlstandskultur zu entledigen (27.05.2013).

Die Berufung zum Hüten geht nicht nur uns Christen an; sie hat eine Dimension, die vorausgeht und die einfach menschlich ist, die alle betrifft. Sie besteht darin, die gesamte Schöpfung, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren. Sie besteht darin, Achtung haben vor jedem Geschöpf Gottes und vor der Umwelt, in der wie leben. Alle Verantwortungsträger auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet, alle Männer und Frauen guten Willens, bittet der Papst: Lasst uns Hüter der Schöpfung, des in die Natur hineingelegten Planes Gottes ein, Hüter des anderen, der Umwelt. Wir dürfen keine Angst haben vor der Güte, ja, nicht einmal vor der Zärtlichkeit (19.03.2013).

Gegenüber seinen Brüdern Gerechtigkeit üben. Diese Gerechtigkeit ist sehr schöpferisch, weil sie Dinge erfindet: Bildung, sozialen Aufstieg usw. Ein Glaube, der nicht zur Kultur wird, ist kein richtiger Glaube (Bergoglio, „Gott und die Erde“).

Das Tun des Guten ist keine Glaubensfrage, sondern ein Prinzip, das die Menschheit eint, jenseits aller ideologischen und religiösen Unterschiede (22.05.2013).

Leben

Die gefährlichste Bedrohung liegt im „jugendlichen Progressismus“, einem Enthusiasmus für den Fortschritt, der sich in Wirklichkeit gegen die Völker und Staaten richtet, gegen ihre katholische Identität, „in engem Zusammenhang mit einer Staatsauffassung, die weitgehend ein militanter Laizismus ist (Bergoglio, zitiert von Sandro Magister; 20.05.2013).

In der weltweiten Ausbreitung der Abtreibung und der Homo-.Ehe liegt „eine imperialistische Auffassung von Globalisierung“, die „den gefährlichsten Totalitarismus der Postmoderne darstellt“, „Zeichen des Antichristen“ (Bergoglio, zitiert von Sandro Magister; 20.05.2013).

Bei der Ehe geht es „um eine anthropologische Konstante, ähnlich wie bei der Abtreibung, die ich auch von jeglicher religiöser Auffassung trenne, als ein moralisches Problem vorreligiöser Natur.“ (Bergoglio im Gespräch mit Rabbi Abraham Skorka; 02.05.2013).

„Jeder Mensch braucht einen männlichen Vater und eine weibliche Mutter, die ihm helfen, seine Identität auszubilden.“ (Bergoglio im Gespräch mit Rabbi Abraham Skorka; 02.05.2013).

Ich „respektiere den Selbstmörder. Ich lehne ihn nicht ab. Ich überlasse ihn den Händen der Barmherzigkeit Gottes“. „Die Interpretation als Krankheit teile ich.“ (Bergoglio im Gespräch mit Rabbi Abraham Skorka; 02.05.2013).

Kirche

Die Kirche ist in Not (30.04.2013).

„Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!“ (16.03.2013).

Die Kirche „ist eine Gemeinschaft des `Ja` und das `Nein` ist eine Folge dieses `Ja`.“ (02.05.2013).

Kirche ist keine politische Gruppierung und keine NGO, nicht nur auf Effizient ausgerichtet (19.05.2013).

Wider die Versuchung des Puritanismus: „Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden.“ (Apg 15.19; 02.05.2013).

Die verschlossene Gemeinde lädt auf den Schultern der Gläubigen viele Gebote ab. Sie spricht mit gehässigen Worten: sie beleidigen, sie verurteilen (27.04.2013).

Priester dürfen keine Funktionäre sein, Demut und Bescheidenheit zeigen (21.04.2013). Narzismus führt zur geistlichen Weltlichkeit und zum ausgefeilten Klerikalismus (18.04.2013).

Die Priester müssen auf die Menschen zugehen und ihr Alltagsleben erreichen. Heute besteht eine Identitätskrise der Priester, die mit einer Kulturkrise einhergeht (28.03.2013).

Die Kirche muss sich von Moralismus und Ideologie befreien (19.04.2013).

Der Papst ruft zu radikalen Reformen auf: (27.03.2013); gegen die Formen der klerikalen Eitelkeit und die Beschäftigung der Kirche mit sich selbst (selbstreferenziell: eine verweltlichte Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt: 27.03.2013). Sie lässt Jesus nicht nach aussen treten. Dies ist krank – die Übel in den kirchlichen Institutionen haben hier ihre Wurzeln: Selbstbezogenheit, mondäne Kirche (27.03.2013). Evangelisierung setzt kühne Redefreiheit voraus, um an die Grenzen der menschlichen Existenz zu gelangen: die Grenzen des Schmerzes, der Ungerechtigkeit, der Ignoranz, des Denkens, jeglichen Elends (27.03.2013).

Ohne die Freude der Schönheit wird die Wahrheit kalt, sogar schonungslos und stolz, wie wir es in der Auseinandersetzung mit vielen verbitterten Fundamentalisten erleben. Es scheint, dass sie Asche kauen (Bergoglio: „Gott und die Erde“). Wir wollen uns nicht verändern und es gibt sogar auch Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück (16.04.2013).

Ein rein intellektuelles Verständnis der christlichen Botschaft führt zu einem blossen Moralismus. Aus dem Weg der Bekehrung wird ein Weg der Pflichten, ein moralischer Rigorismus ohne Güte (19.04.2013).

Denken wir an die vielen Christen guten Willens, die irren und, statt Türen zu öffnen, diese verschliessen (25.05.2013).

Vergessen wir nie, dass die wahre Macht der Dienst ist (19.03.2013).

Die Kirche ist keine politische, sondern eine geistliche Wirklichkeit. „Nicht des Papst, sondern Jesus Christus ist das Haupt.“ (16.03.2013).

Wir können gehen, wie weit wir wollen, wir können vieles aufbauen, aber wenn wir nicht Jesus Christus bekennen, geht die Sache nicht. Wir werden eine wohltätige NGO, aber nicht die Kirche (14.03.2013).

Lukas Brühwiler-Frésey
Arbonerstrasse 61c
CH-8580 Amriswil

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